Deist-Preis-Laudatio: »…wenn eines Tages auch der ›Globale Schicketanz‹ vorläge«

Enrico Schicketanz bekommt von Stig Förster den Wilhelm-Deist-Preis
Prof. Dr. Stig Förster verleiht dem Autor am 18. November 2016 den Wilhelm-Deist-Preis für Militärgeschichte. [Foto: AKM]
Anlässlich der Jahrestagung des Arbeitskreises Militärgeschichte (AKM) zeichnete mich dessen Vorsitzender, der international renommierte Militärhistoriker Prof. Dr. Stig Förster, am 18. November mit dem Wilhelm-Deist-Preis für Militärgeschichte aus. Damit werden die in meiner Magisterarbeit dargestellten Forschungen zur Seemachtideologie und Seestrategie in der deutschen Kriegsmarine unter Großadmiral Raeder gewürdigt. Ich freue mich, als elfter Nachwuchswissenschaftler diesen Preis annehmen zu dürfen.

Laudatio zur Auszeichnung mit dem Deist-Preis

Zufälligerweise fand die diesjährige Tagung des AKM an der Universität Potsdam statt, meiner »Alma Mater«, von der ich im vorigen Jahr die Graduierungsurkunde zum Magister Artium erhielt. Während ich dort der Laudatio der Militärhistorikerin Dr. Wencke Meteling von der Philipps-Universität Marburg lauschte, fühlte ich mich bei der ein oder anderen Lobesformulierung doch schon sehr ergriffen. Als Resümee hielt Dr. Meteling fest:

Mit seiner Studie hat Herr Schicketanz einen äußerst lesenswerten, eigenwilligen und anregenden Forschungsbeitrag zur neueren maritimen Militärgeschichte als Ideengeschichte geleistet. Eingangs stellt er heraus, dass Navalismus ein globales Phänomen darstellte, das noch der Erforschung harrt. Es wäre phantastisch, wenn eines Tages auch der »Globale Schicketanz« vorläge. Ich spreche im Namen des gesamten Vorstandes des AKM, wenn ich sage, wie sehr wir uns freuen, diese herausragende Arbeit mit dem diesjährigen Wilhelm-Deist-Preis für Militärgeschichte auszuzeichnen.

Gesellschaftskritische Forschungsdesiderate

Eine Globalbetrachtung zur Seemachtideologie, deren Auswirkungen und Erscheinungsformen noch heute zu beobachten sind – man denke beispielsweise an die maritime Machtpolitik Chinas, Russlands oder der USA –, würde mich durchaus sehr reizen. Womöglich könnte sich sogar ein ganzes Forschungsteam mit Wissenschaftler*innen aus allen relevanten Ländern über mehrere Jahre hinweg mit dieser Problemstellung beschäftigen.

Spannend fände ich aber schon eine vergleichende Untersuchung eines bedeutenden Themenausschnittes, nämlich der Wechselbeziehungen der Seemachtideologie mit expansionsorientierten Macht- und Wirtschaftspolitiken und der jeweils zugrunde liegenden Gesellschaftsordnung. Schließlich waren die historischen Navalisten, so meine Hypothese, immer auch Imperialisten bzw. Anhänger einer (wie auch immer gearteten) Herrschaftsausdehnung. Sie agierten in einem auf Expansion ausgerichteten Wirtschafts- und Finanzsystem, pflegten nicht selten ein sozialdarwinistisches Gedankengut und transportierten Ideen national-chauvinistischer, kultureller Überheblichkeit.

Solche neuen Forschungen sind jedoch vor allem eine Zeit- und Ressourcenfrage. Einstweilen steht erst einmal das Geldsystem im Mittelpunkt meiner angestrebten Promotion. Es ist aber sicher, dass ich im Laufe meines wissenschaftlichen Wirkens auch wieder etwas zum Navalismus und Imperialismus publizieren werde. Ein Zeitschriftenaufsatz ist jedenfalls bereits für 2017 vereinbart.

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