Neu: Methodenkurs »Historische Quellenkritik«

Inter- und Transdisziplinarität, historisch-soziale Fundierung, Wissenschaftstheorie und gesellschaftskritische Reflexion des eigenen Wirkens stellen wichtige Aspekte »pluraler Ökonomik« dar. Trotzdem sind entsprechende Methodenkurse noch Mangelware. Das nahm der Fachbereich »Plurale Ökonomik« an der Universität Siegen deshalb zum Anlass für ein Blockseminar »Methodenpluralismus«. Mir kam dabei die Ehre zu, angehende Ökonom*innen in die geisteswissenschaftliche Meta-Methode der historischen Quellenkritik und Begriffsreflexion einzuführen.

Inhaltlicher Abriss des Workshops

Seriöse Wirtschaftsgeschichtsschreibung, wozu auch die Analyse und Interpretation von zeitgenössischen Entwicklungen, von realisierten oder verworfenen Handlungsalternativen gezählt werden können, kommt ohne Quellenkritik nicht aus. Der Workshop widmete sich daher dieser fundamentalen Forschungsmethode der Geschichtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Teilnehmenden lernten, Quellen systematisch, umfassend und kritisch zu reflektieren sowie historisch geeignet zu kontextualisieren. Das galt ebenfalls für Begriffe und Denkfiguren, die als Substrat von sozialem Sinn das Begreifen und Deuten der Wirklichkeiten prägen. Dabei machten wir uns auch die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Erkenntnisgewinnung bewusst.

In Kleingruppen konnten die Studierenden die qualitative Methodik an ausgewählten Quellen praktisch anwenden und hinsichtlich ihrer Chancen und Grenzen diskutieren. Drei Beispiele illustrierten dabei die Bandbreite der Anwendungsmöglichkeiten: der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, ein Zeitungsartikel über einen aktuellen geldtheoretischen Aufsatz der Bundesbank sowie die These vom »War on Cash« als angebliche Folge der Finanzkrise. Dadurch hatten wir am Ende viele unterschiedliche (methodische) Erfahrungen auszuwerten.

Resümee

Mit dem dreitägigen Blockseminar »Methodenpluralismus« haben die Siegener Pluralos einen großen Erfolg erzielt. Ich erlebte einen spannenden und bereichernden interdisziplinären Austausch. Es hat mir äußerst viel Freude bereitet, mit so engagierten und kritisch denkenden Menschen zusammenzuarbeiten. Ganz besonders habe ich mich über das überschwängliche Lob der Teilnehmenden meines dreistündigen Methodenkurses gefreut. Inhalt, didaktische Aufbereitung, Quellenauswahl und Gruppenarbeitsphasen haben offenbar gepasst und einen Nerv getroffen. Dem pflichtete auch Professor Peukert bei, der mein Promotionsprojekt betreut. Ein Teilnehmer meinte sogar, der Workshop müsse »Pflichtveranstaltung für alle Studierenden« werden. Ich denke, das ganze Blockseminar, das eine Bandbreite an Methoden unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen bot, sollte regelmäßig angeboten werden.

Gleichzeitig hat sich die Teilnahme auch in Bezug auf meine eigenen Methodenkompetenzen sehr gelohnt. So weckte der theoretische und praktische Überblick zu »Agent-based Modelling« beispielsweise meine Motivation, mich eingehender mit dieser Methode zu befassen.

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