»Die Anstalt« zur Umverteilung des Reichtums

Wir schreiben das Jahr 11 nach Merkel. In HerWood Forest, einst von der sozialen Marktwirtschaft regiert, herrschte seit Jahren schon erbarmungslos die schwarze Null. Die Reichen wurden immer reicher und die Armen immer mehr.

Und so gaben viele Menschen ihre Stimme einer alternativen Partei, die… die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer machen wollte – aber dafür die Armen, die nicht von hier waren, immerhin SO Scheiße [sic] behandeln wollte, dass sich die Armen, die von hier waren, nicht mehr ganz so arm fühlten. Nur ein Mann hörte nicht auf, den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben.


So beginnt die jüngste Sendung des politischen Kabaretts »Die Anstalt« vom 5. April 2016, die man wie immer auch online in der ZDF-Mediathek ansehen kann oder auf YouTube findet. Claus von Wagner, Max Uthoff und ihre Kolleg*innen nehmen sich diesmal dem gesellschaftlich hochaktuellen und brisanten Thema der Vermögensverteilung zwischen Arm und Reich und der politisch zentralen Rolle der Mittelschicht an. Schonungslos legen sie den Finger in die Wunden, wenn sie die Frage der sozialen Gerechtigkeit am Beispiel der Vermögensgerechtigkeit satirisch aufarbeiten. Die lehrreiche und prägnante mediale Darbietung unter Adaption des allseits bekannten Robin-Hood-Stoffes ist wieder einmal grandios geworden, finde ich. So gibt es in weniger als einer Stunde Sendezeit politische Bildung, humorvolle Unterhaltung und unterschwellige Aufforderung zum politischen Überdenken der eigenen wahltaktischen Haltung.

Die Reichen werden reicher, die Armen immer mehr. Das lässt sich z. B. daran ablesen, dass die deutsche Gesellschaft nach der US-amerikanischen Gesellschaft eine der höchsten Vermögensungleichheiten der kapitalistischen, industrialisierten Welt aufweist. Der Anteil, den die Kapitalbesitzer*innen vom kollektiv erarbeiteten Volkseinkommen einfordern und sich bisher auch noch verschaffen konnten, nimmt spürbar zu, während der Anteil der arbeitenden Bevölkerung am Volkseinkommen seit Jahren sinkt. In Folge dessen steigt der soziale Druck. Existenz- und Abstiegsängste machen sich in der schrumpfenden »Mittelschicht« und der wachsenden »Unterschicht« breit. Der Ton wird rauer. Strukturell benachteiligte Menschengruppen lassen sich gegeneinander aufwiegeln. Es wird nach unten getreten und nach oben gebuckelt.

Was machen angesichts dieser spannungsgeladenen, konfliktreichen Situation die Parteien – CDU/CSU, SPD, Linke, Bündnis90/Grüne, FDP und AfD? Wer von ihnen schaut nur tatenlos zu? Wer zündelt lieber, sät Hass auf sozial ohnehin Benachteiligte und zersetzt so die Gesellschaft? Und wer verstärkt(e) diese Ungerechtigkeiten und diese »Umverteilung von unten nach oben« in den letzten drei Jahrzehnten noch weiter? Welche Partei tritt stattdessen als einzige auf Bundesebene konsequent für eine spürbare Umkehr ein, für Vermögensabgaben, für eine ordentliche Erbschaftssteuer und für mehr »Umverteilung von oben nach unten«? In der »Anstalt« gibt es erste, freilich überspitzte Antworten.

Alle, die jetzt weiteres Lesefutter brauchen und die den Fakten auf den Grund gehen wollen, werden im Faktencheck zur Sendung fündig. Dort verweisen die Macher*innen der »Anstalt« u. a. auch auf einige einschlägige Werke zur Armuts-, Reichtums- und Ungleichheitsforschung.

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