Neue Bildungsprojekte für 2016

Neue Bildungsprojekte für das Jahr 2016 zu konzipieren, bereitet mir gerade sehr viel Freude. Wer schon alles auf meiner Seite zur politischen Bildung gestöbert hat und neugierig geworden ist, wird jetzt sicher wissen wollen, an welchen thematischen Veranstaltungen ich beispielsweise gerade arbeite.

Thomas Piketty 2014
Was der Volksmund ohnehin schon wusste, belegt Prof. Thomas Piketty erstmals mit langjähriger empirischer Feldforschung: Die Reichen werden unter den aktuellen Bedingungen immer reicher, die Armen immer ärmer. Eine »Leistungsgesellschaft« existiere nicht. [Foto: © Thomas Piketty 2014.]

Nun, da schwirren mir einige gute Ideen, aber durchaus auch Anregungen Dritter im Kopf herum, die ich zunächst einmal strukturiert verschriftlicht habe. Zwei davon möchte ich an dieser Stelle nach ein paar einleitenden Bemerkungen kurz nennen – und dafür werben.

Die aktuelle Weltfinanz-, Euro- und Wirtschaftskrise ist noch lange nicht ausgestanden, die Ursachen sind nicht behoben, die in Sonntagsreden gern beschworenen demokratischen und menschlichen Werte werden von den dominierenden Entscheidungseliten in Politik und Finanzwelt mit Füßen getreten, wie wir an dem politischen Projekt der brachialen Durchsetzung der neoliberalen Austeritätsagenda und des Schuldenmanagements in der EU sehen konnten und können. Gleichzeitig, damit eng verwoben, aber prinzipiell unabhängig davon, schwebt die fundamentale Frage der Verteilung des kollektiv erarbeiteten Wohlstands (bzw. der Gewinne und Verluste) wie ein Damoklesschwert über den Gesellschaften und kann im Krisenfalle ungeahnte Sprengkräfte freisetzen, ob man sich dessen bewusst ist, es ignoriert oder nicht. Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen »Kapital« und »Arbeit« – auch als »Umverteilung von unten nach oben« tituliert –, wächst unter den aktuell herrschenden Rahmenbedingungen stetig und rasant weiter.

Yanis Varoufakis 2015 in Berlin
Prof. Yanis Varoufakis, Autor von »Der globale Minotaurus« (2012) und Vordenker einer neuen europäischen Bewegung für eine demokratische EU ohne deren selbstzerstörerische Austeritätspolitik. [Foto: Jörg Rüger 2015 | CC BY-SA 3.0]

Vor eben diesen Kontexten sorgten zwei Stars der politischen Ökonomie in den letzten beiden Jahren für ungeahnte mediale Aufmerksamkeit: Thomas Piketty aus Frankreich, dessen weltweit viel zitiertes voluminöses Werk »Das Kapital im 21. Jahrhundert« (2014) der »Wirtschaftsnobelpreis«-Träger Paul Krugman als das wohl »bedeutendste Wirtschaftsbuch […] des Jahrzehnts« lobte, und Yanis Varoufakis, der den meisten hierzulande wohl eher als für Schlagzeilen sorgender, wortgewaltig und provokant auftretender griechischer Finanzminister während des politischen Showdowns zwischen Griechenland und der »Troika« 2015 medial vorgeführt sein dürfte und weniger als ernstzunehmender Ökonom und intellektueller politischer Querkopf.

Mit ihren Thesen liefern Piketty und Varoufakis wissenschaftlich fundiertes argumentatives Futter für all diejenigen, die für eine bessere, eine sozialere, eine gerechtere, eine solidarischere, eine menschlichere, eine demokratischere, eine ökologischere Zukunft kämpfen; für all diejenigen, in deren Augen die vorherrschende neoliberale Ideologie mit ihren zunehmend als bürgerfern, rücksichtslos, gemeinwohlschädlich, autoritär, menschenverachtend und umweltzerstörend wahrgenommenen Anhänger*innen in den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungszusammenhängen auf ganzer Linie abgewirtschaftet hat. Mit ihren Thesen schreck(t)en Piketty und Varoufakis aber auch die Verteidiger*innen der Kapitalprivilegien oder die Nutznießer*innen des Status Quo auf. Diese Feststellung trifft vor allem auf die politische Szenerie Deutschlands zu. Die einen hypen sie, die anderen verdammen, verleumden, verreißen sie. Letzteres trifft meiner Beobachtung zufolge vor allem auf Varoufakis zu.

Grund genug also, sich näher mit diesen zwei Ökonomen, ihren Theorien und politischen Empfehlungen zu beschäftigen. Das führt mich dazu, u. a. folgende Veranstaltungsideen konzeptionell vorzubereiten:

  • Workshop zum Thema »Vermögenskonzentration, wachsende Ungleichheit und politische Implikationen. Einführung in Thomas Pikettys ›Das Kapital im 21. Jahrhundert‹ und dessen Rezeption«
  • Tagesseminar zum Thema »Yanis Varoufakis zwischen Hype, Realismus und Verdammnis. Einführung in Varoufakis‘ Thesen, Europa-Bewegung, Politik und Rezeption im Lichte des ›Diktats der Troika‹ 2015«

Viele weitere Ideen werden noch folgen, aber der Auftakt ins bildungspolitische 2016 ist getan!

Habe ich Dein/Ihr Interesse geweckt? Großartig. Eine kurze Mail mit dem Betreff Buchungsanfrage oder (individueller) Themenwunsch genügt und schon hören wir voneinander. Ich freu mich.

Ein Gedanke zu “Neue Bildungsprojekte für 2016

  1. Anna

    Sehr interessanter Artikel. Hoffe Sie veröffentlichen in regelmäßigen Abständen solche Artikel dann haben Sie eine Stammleserin gewonnen. Vielen dank für die Informationen.
    Gruß Anna

    Antwort

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