Militarismus

Was versteht man unter »Militarismus« und welche prinzipiellen Begriffsverwendungen gibt es?

Definition der Militarismus-Begriffe

»Militarismus«, von franz. militarisme (svw. Militärherrschaft), ist ein vieldeutiger, nach 1860 aufgekommener Ausdruck, der in der politischen Auseinandersetzung oft zur polemischen Stigmatisierung des Gegners oder als negative Kontrastfolie dient(e). Deshalb kann er kaum wertfrei verstanden werden.

In den Wissenschaften problematisiert er das Vorherrschen bzw. die relative »Überbewertung des Militärischen«, auf dessen Bedürfnisse Staat, Politik und Gesellschaft einseitig ausgerichtet sind, d. h. vor allem Meinungen, Denk- und Handlungsweisen,

die der militärischen Stärke und der Rüstung über das als notwendig erachtete Maß hinaus bei gleichzeitiger Mi[ss]achtung des Friedenswillens den Vorrang vor allen anderen Staatsaufgaben einräumen.[1]

Militarist*innen setzen zur Lösung von Konflikten und bei der Durchsetzung machtpolitischer Interessen auf militärische Stärke, Gewalt, Krieg und Aggression.

Die maritime Spielart des »Militarismus« nennt sich in Fachkreisen »Navalismus« und geht meistens mit ausgeprägten Expansionstendenzen nach Übersee einher[2]. Diese Wortschöpfung entstand Ende des 19. Jahrhunderts.

Anmerkungen und Literaturhinweise

Darstellungen

  • Berghahn, Volker R. (1986): Militarismus. Die Geschichte einer internationalen Debatte. Hamburg u. a.: Berg.
  • Conze, Werner; Reinhard Stumpf; Michael Geyer (2004): s. v. Militarismus. In: Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Hrsg. v. Otto Brunner, Werner Conze, Reinhart Koselleck. 1. Aufl. Studienausg. [d. Ausg. v. 1982]. Stuttgart: Klett-Cotta, Bd. 4, S. 1–47.
  • Strauß, Gerhard; Ulrike Haß; Gisela Harras (1989): Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. Berlin u. New York: Walter de Gruyter (= Schriften des Instituts für deutsche Sprache, Bd. 2), S. 248–253.

Endnoten

[1] Strauß et al. (1989), S. 248.

[2] Vgl. dazu meinen Aufsatz über »Imperialismus und Imperialismustheorien«.

 

Stand: 10.05.2018

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